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Auf der Sesamstraße nach Amerika

Der, die, das – wer, wie, was – wieso, weshalb, warum – wer nicht fragt bleibt dumm! Wie Recht sie hat, die Sesamstraße. Denn die Frage bringt uns voran, sie ist Ausdruck eines ungebändigten Wissensdrangs, ein Versuch und Mittel, die Welt zu verstehen. Ohne die Frage keine Forschung und damit auch keine Entwicklung. Wo wäre die Menschheit, hätten Newton, Humboldt, Aristoteles, Galilei und Kopernikus nicht gefragt? Newton lehnt am Apfelbaum, da plötzlich fällt ein Apfel ins Gras. “Na so was, dass die Äpfel immer auf den Boden fallen und nie nach oben. Ach egal, ich geh’ jetzt baden.” Spricht’s, packt seine Sachen und geht zum nächsten See, den Apfel mit seiner ganzen Schwerkraft einem qualvollen Gammeltod überlassend.

Fragen sind also elementarer Teil der menschlichen Entwicklung. Aber Fragen brauchen auch jemanden, der zuhört und sie beantwortet. Faszinierend, dass das Satzzeichen für die Frage (“?”) dann auch tatsächlich aussieht wie ein Ohr. Die ganze gestellte Frage scheint mit dem Fragezeichen zu signalisieren: Hört her, ich will etwas wissen! Leiht mir euer Ohr! Fast hätte dann auch niemand Kolumbus zugehört, ihr wisst schon, Gérard Kolumbüs, der Franzose mit der dicken Nase und dem Schlachterkreuz. Erst die spanische Königin Isabella lieh ihm Ohr und Geld, um eine Expedition nach Westen auszurüsten. Nicht auszudenken, wie die Welt heute aussehen würde, wenn die Europäer Amerika erst zweihundert Jahre später entdeckt hätten. New York hieße vielleicht New Duisburg, New Rimini oder auch Bluxačesopf. Auf dem Panamakanal würden im Mondenschein Gondolieri singen und Jamiroguay wäre eine südamerikanische Republik.

Es kam aber anders: Isabella lieh Kolumbus beide Ohren. Ob das etwas damit zu tun hat, dass die Spanier der Frage mehr Aufmerksamkeit schenken als die meisten anderen Völker? Sie informieren den Leser nämlich schon am Satzanfang, dass sie nun eine Frage stellen – und zwar indem sie ein umgedrehtes Fragezeichen vorne hinsetzen. ¿Schlau, nicht?

Wichtig ist, dass man seinen Fragen Gehör verschafft. Aus diesem Grund setzt man das Fragezeichen ohne Leerschritt direkt an das letzte Wort und verhindert somit, dass es eventuell alleine in die nächste Zeile rutscht – die Frage sozusagen unter den Tisch fällt. Das wäre bei manch anderen Fragen wiederum durchaus angebracht. Dazu gehören: Was macht eine Frau wie Sie zu einer Zeit wie dieser an einem Ort wie diesem? Kann ich mal Ihren Führerschein sehen? Hast du’n Problem, oder was?

Die meisten Fragen bringen uns aber weiter, manchmal sogar bis nach Amerika. Singen wir also mit Frank Sinatra: “If I can make it there, I’ll make it anywhere – It’s up to you, New Duisburg, New Duisburg!”

1 comment to Auf der Sesamstraße nach Amerika

  • Julia

    Meine Lieblingsfrage ist und bleibt: “Wo kann man jetzt noch hingehen, wenn man jetzt noch wo hingehen will; und vor allem, wie kommt man da hin?”