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Holiday in Cambodia (it's tough kid, but it's life)

Frisch geduscht stehe ich an der Passkontrolle im Flughafen. Mein Reisepass hingegen ist speckig, ranzig, vom Schweiß früherer Reisen verwaschen. Der Beamte ergreift ihn, wünscht sich ein Desinfektionsspray oder zumindest Seife und kontrolliert kurz die Daten. Dann blättert er darin und sagt mit freundlichem Lächeln „Der hat wohl schon einiges gesehen.“ Ich antworte „Ja, sieht schon etwas mitgenommen aus“ und wir grinsen beide über diesen Kalauer. Als er das zu Hause beim Abendessen seiner Familie erzählt, prusten die Kinder lachend ihre Spaghetti zurück auf den Teller.

Video on Demand ist eine Innovation, die auf Langstreckenflügen nicht mehr fehlen darf. Man kann den Film anschauen, wann man mag. Mein zweiter Film ist „Die Hard IV“. 15 Minuten vor Filmende bläst Bruce Willis zum großen Finale, wird von einem Jagdflugzeug beschossen, Brücken stürzen zusammen. Bruce gibt Gas und … Die Bildschirme gehen aus, wir landen.

Zu zweit sitzen wir in gemütlichen Stuhl-Liegen am Strand, schauen aufs Meer und lauschen dem Plätschern meiner Suppe. Es ist eine herrlich schmeckende Spicy Sour Soup, deren Pfeffer in meine Luftröhre dringt, die Atemzufuhr unterbricht und mich dazu bringt, lauthals in das tropische Idyll hineinzuhusten. Ein wahrhaft paradiesischer Abend.Abendstimmung

Nach vier Tagen verlasse ich den Strand übersät mit Stichen an den Beinen. 76 zähle ich. Die meisten davon von Sandfliegen, jenen garstigen Viechern, die auch an den schönsten Stränden nichts besseres zu tun haben, als anderen Lebewesen den Urlaub zu versauen. Schmort in der Hölle.Muschelverkäuferin

Mit dem Bus geht’s ins Landesinnere Richtung Osten an den Mekong, Kampong Cham heißt unser Ziel. Ich schaue durch das Fenster: Das Land ist nach der Regenzeit überschwemmt, Reis wird im Wasser angebaut, Wasserbüffel nehmen darin ein Bad. So bekommt wohl der Basmati-Duft-Reis seine spezielle Note. Im Bus schaue ich nach vorne: Der Fernseher plärrt uns kambodschanische Pophits entgegen. Unten wird in Khmer der Text eingeblendet, Karaoke ist auch hier sehr beliebt. Gut, dass sich um diese Uhrzeit noch keiner traut.Im Bus

CruisingUm 10:00 Uhr soll unser Bus nach Kratie gehen, ebenfalls am Mekong gelegen. Wir warten am Straßenrand und freunden uns mit Astrid und Chris an, einem deutsch-amerikanischen Paar, das dasselbe Ziel hat. Um 10:30 Uhr trinken wir eine grüne Kokosnuss, das Warten macht Durst. Um 12:15 Uhr ist der Bus immer noch nicht da und wir gehen essen. Um 13:30 Uhr kommt schließlich unser Bus und grinst unschuldig. Wir steigen ein, grinsen ebenfalls und fahren los.Mönche

HühnertransportAuf Mofas brettern wir vier auf Feldwegen durch das schöne Umland von Kratie, vorbei an Holzhäusern auf Stelzen, Wasserbüffeln und Kühen. Gackernd und grunzend rennen Hühner und Schweine über den Weg, Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene winken uns herzlich zu. Am Abend trinken wir einige Cocktails und eine unbekannte Anzahl Bier. Die Jungs von der Bar bringen uns Khmer bei. Zum Höhepunkt der fröhlichen Nacht taufen wir einen von ihnen „Nick“. Mit meinem Vorschlag „Gerhard“ konnte ich mich zum Glück nicht durchsetzen.Die Liegenden

Wir sagen „Li-Hai“ (Servus!) zu Astrid und Chris und fahren mit einem Sammeltaxi in den äußersten Nordosten des Landes, nach Ratanakiri. Unser Gefährt ist ein Toyota Camry, also kein Kombi oder Kleinbus, sondern ein ganz normaler Pkw. Wie zu Hause passen da vier Personen rein – nur hier passen diese vier sogar alle auf die Rückbank. Und vorne nochmal vier: zwei auf dem Beifahrersitz, zwei auf dem Fahrersitz. Da bis auf den Fahrer alle auch Gepäck dabei haben, hat einer unserer Rucksäcke keinen Platz mehr im Auto und wird einfach auf dem Kofferraumdeckel festgebunden. Nach ca. einer Stunde fängt es an zu regnen und wir nehmen den Rucksack nun doch auch noch mit auf die Hinterbank. Da wir nur noch vier Stunden Fahrt vor uns haben, murrt auch keiner… Fünf Minuten später scheint dann wieder die Sonne. Eine weitere Stunde später verlassen wir die geteerte Straße und haben nun noch drei Stunden auf einer dieser Sand- und Dreckstraßen vor uns, die zur Regenzeit nur schwer oder gar nicht mehr passierbar sind. Die Schlaglöcher grüßen meinen Magen, ich verfluche das letzte Bier von gestern Abend. Aber die Fahrt ist großartig, auf einem roten Feldweg fahren wir durch den Dschungel wie durch einen grünen Tunnel.Schwemm

Ich stehe auf einem Felsen unterhalb einer steil abfallenden Anhöhe. Es ist ein idyllisch grünes Fleckchen denke ich, hier hat man seine Ruhe. Da der Wasserfall direkt über mir genau dasselbe denkt, bin ich in Sekundenbruchteilen patschnass. Gut, dass ich eine Badehose anhabe.

Das große graue Tier mit den wenigen borstigen Haaren auf dem Kopf ist ein Elefant und unser Fortbewegungsmittel für den Weg durch Gummibaumplantagen und Dörfer zu einem weiteren Wasserfall. Der Elefantenführer hat eine intensive Beziehung zu dem 70-jährigen Tier und lenkt es mit sachten Stößen seiner Füße gegen das große löchrige Ohr. Wenn der Dickhäuter hungrig ist, wird er allerdings zum Dickkopf und bleibt vor Bäumen und Büschen mit saftigen Blättern stehen, um sich ein paar Äste davon als Wegzehrung mitzunehmen. Sogar ein kleiner, kräftiger Baum muss daran glauben und wird kurzerhand umgerissen.Bitte zusteigen

Viel gefährlicher als Tiger sind im kambodschanischen Dschungel die Ameisen, jedenfalls wenn man Sandalen trägt. Dies tut man, um Bäche und Flüsse einfach zu durchqueren. Die Ameisen wiederum reagieren äußerst gereizt, wenn man ihr Land durchquert, erklimmen die Treter des Wanderers und fügen seinen Füßen brennende Schmerzen zu, die eine ganze Minute nicht nachlassen und die folgenden Tage sehr jucken. Und es gibt viele dieser wütenden, gastunfreundlichen Gesellen. Der handflächengroßen schwarz-gelben Spinne, die ich plötzlich auf meinem Wanderstock entdecke, ist meine Reise durch ihr Gebiet vermutlich eher willkommen, biete ich ihr doch eine kostenlose und schnelle Transportmöglichkeit. Einen schwarz-gelben blinden Passagier kann ich hingegen gar nicht brauchen und schüttele ihn zurück in den Wald. Wo kommen wir denn da hin!Im Dschungel

Früher, so erzählt unser Führer, hatte der Moskito die Größe eines Büffels. So konnten Menschen und Tiere den Blutsauger natürlich schnell vertreiben, lange bevor er zustechen konnte. Also ging dieser zum Schöpfer und sagte, dass das wirklich blöd sei, so groß zu sein. Der Schöpfer verstand das und seitdem hat der Moskito seine heutige Größe. Die Französin Hélène und zwei Schwedinnen, die uns in den Dschungel begleitet haben, hören interessiert zu. Als ich erzähle, dass der Tiger früher winzig war und die Größe eines Hamsters hatte, lachen alle. Warum glaubt man immer nur den Einheimischen?Wucherungen

Wir schlafen in Hängematten, die Frösche brüllen die ganze Nacht, die viel zu kleinen Moskitos stechen durch das Schutznetz, es ist saukalt und Tiger lassen sich auch nicht blicken. Scheiß Dschungel!Oh

Das Land ist überschwemmt. Mit dem Boot fahren wir durch einen Wald, von dem nur die Baumkronen herausragen. Wir erreichen ein Dorf. Es ist ein unglaublicher Anblick: Ein ganzer Ort im Wasser. Alle Häuser sind auf 6 – 7 Meter hohen Stelzen gebaut. Wo sonst staubige Straßen zwischen den Hütten durchführen, werden nun schmale Holzkähne über das Wasser gesteuert. Manche dieser Boote sind schwimmende Läden, die von Haus zu Haus fahren und ihre Waren anbieten. Sogar kleine angelegte Inseln gibt es, auf denen ein paar Schweine in einem Käfig eingepfercht sind oder ein Krokodil. Ob wohl abends der junge Souhan die hübsche Khieu mit seinem morschen, aber saucoolen Kahn zum Schwof abholt, während ihr Vater Ieng missmutig das Familienboot wienert?Dorf auf Stelzen

Einige der Tempel von Angkor sind über die Jahrhunderte von der Natur erobert worden. Bäume erheben sich über die Bauten und die gewaltigen Wurzeln, die einzelnen Stränge so dick wie Dinosaurierbeine, umfassen ganze Gebäudeteile. Die Tempelanlage Ta Phrom wirkt wie ein verwunschener, märchenhafter Ort, an dem die riesigen Bäume regieren und all die Anstrengungen der Menschen ins Lächerliche ziehen. An diesem sagenhaften Platz gründen wir mit Hélène das Tiny Tiger Team, das nun dreisprachig und stets clever die weiteren Tempel erkundet.Ta PhromBayonPhnom irgendwas oder so
Nicht viel dran an so einer Schlange. Auf dem Grill sah sie so lecker aus, dass ich sie gedanklich schon in einzelne Happen unterteilt hatte, aber das Viech hat Knochen und Gräten. Lediglich dünne Streifen Fleisch kann ich abziehen. Die schmecken immerhin ganz passabel.Es gibt Schlange

Phnom Penh. Wir marschieren durch die von Mofas, Tuk-Tuks und Autos viel befahrenen Straßen. Eine Ratte liegt tot am Straßenrand, überfahren. Wir suchen den Königspalast, kommen aber stattdessen an einen Tempel. Ein Mann winkt uns heran, schließt ein Tor auf und bittet uns in das Heiligtum: Hier wird eine von Buddhas Augenbrauen aufbewahrt. Er segnet uns und singt. Gesegnet und besungen ziehen wir weiter. Am nächsten Tag will ich sehen, ob jemand die Ratte weggeräumt hat. Sie liegt noch da – inzwischen mit plattgefahrenem Kopf.Tempel der Augenbraue

Der Eitle

PalastIch gehe in eine Schule mitten in der Stadt, überquere den Schulhof und betrete eines der Gebäude. Die Klassenzimmer sind vergittert. Ich gehe in das Nachbargebäude, hier sind die Zimmer in viele, viele winzige Zellen unterteilt. Diese Schule wurde in den 1970er Jahren von den Roten Khmer als Gefängnis missbraucht. Für tausende Menschen war der Aufenthalt hier der Anfang vom Ende, der Beginn eines unfassbaren Leidenswegs. Sie wurden hier festgehalten, gefoltert und zum Schluss auf Lkws verfrachtet, zu den „Killing Fields“ ein paar Kilometer außerhalb der Stadt gefahren und dort gleich nach Ankunft erschossen. Ein Denkmal mit über 8000 Schädeln im Inneren erinnert an diese unmenschlichen Verbrechen.Schulknast

Massenmord

Auf den Märkten finde ich leider keine fritierte Spinne mehr. Zu gern hätte ich zumindest das Bein einer Tarantel probiert. Stattdessen kaufe ich mir abends an einem Grillstand ein Brathuhn und nehme es mit zurück ins Hostel. Straßenhunde folgen mir und kläffen mich aggressiv an, aber ich gebe nichts ab. Auf dem Rückflug nach Deutschland am folgenden Tag geht es mir immer schlechter und ich komme schließlich mit 39°C Fieber und Schüttelfrost zu Hause an. Das Tropeninstitut diagnostiziert eine bakterielle Infektion, ausgelöst durch unreine Lebensmittel. Vielleicht hätte ich den Grillvogel doch den Hunden geben sollen.Hennakepf

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