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Esta es mi tierra, así es mi Perú

Die Gefährtin

Peru, Peru, ich fahre nach Peru! In Lima besuche ich Ingrid, eine waschechte Peruanerin mit nordeuropäischem Namen. Im Haus der Familie schauen wir stundenlang Fotos an und trinken Pisco Sour, das peruanische Nationalgetränk. Hier verbringe ich auch die erste Woche mit Stadt erkunden, Telenovelas und Werbung mit Geschwistern und Eltern glotzen, Gerichte der heimischen Küche kochen und probieren, Salsa tanzen und Freunde treffen.

Präsidentenpalast in Lima am Plaza de Armas

Präsidentenpalast in Lima am Plaza de Armas

Dann will ich in den Norden in die Berge und auf dem Amazonas nach Iquitos in den Dschungel. Ingrid will mitkommen. Nein, du brauchst keine drei Paar Stöckelschuhe, gar keine. Brauchst du wirklich all die Cremes? Ja, natürlich, sagt sie entrüstet. Drei verschiedene Sonnenbrillen? Ich kann doch nicht jeden Tag gleich rumlaufen. Okay, okay, ich habe es mit einer Latina zu tun. Wie nur kriege ich die am Amazonas aufs Boot? Dass wir da in Hängematten schlafen, erwähne ich erstmal nicht.

Hoch in die Anden Perus

Hoch in die Anden Perus

Die zwei Stürmer

Ankunft in Chachapoyas. Dank Ingrid bringen wir uns nicht wie bei mir üblich in einer schäbigen Billigabsteige ohne Warmwasser und Fenster unter, sondern in einem richtig schönen Hostal direkt am Plaza de Armas, dem Herz jeder peruanischen Stadt.

Chachapoyas von oben

Chachapoyas von oben

In dieser Gegend (eine Autostunde und drei Wanderstunden entfernt) wurde erst im Februar 2006 (!) der dritthöchste Wasserfall der Welt “entdeckt”. Nach drei Stunden Wandern darf er aber auch ruhig so hoch sein. Der Weg ist wunderschön, erst vorbei an bebauten Feldern und kleinen Hüttchen und dann quer durch dauergrünen Bergdschungel, auf und ab. Der Rückweg ist der gleiche, nur anders: es regnet. Der Weg wird matschig und rutschig. Ich habe Glück: erst zehn Minuten vor Ankunft am Ausgangsort sitze auch ich mit dem Hintern im Dreck.

Dritthöchster Wasserfall der Welt

Dritthöchster Wasserfall der Welt

Meerschweinchen schmeckt lecker, wirklich. Vorausgesetzt man hat nichts dagegen, dass man das ganze Viech auf dem Teller präsentiert bekommt, mit Füßen, Krallen, Kopf und Zähnen. Immerhin sieht man so, was man da wirklich verspeist. Das weiß ich bei Ravioli, Hamburger und Bratwurst selten so genau.

Eingang zur Festung Kuelap

Eingang zur Festung Kuelap

Ruine in Kuelap

Ruine in Kuelap

Verdutztes Lama

Verdutztes Lama

Weiter geht’s mit einem Kollektivauto drei Stunden zum nächsten Verkehrsknotenpunkt. D.h. erstmal eine Stunde warten, bis ein vierter Fahrgast gefunden wird, vorher fährt der Fahrer nicht los. In Pedro Ruiz angekommen warten wir wieder einige Stunden auf einen Bus, der über Nacht nach Tarapoto fährt. Um 2 Uhr früh hält der Fahrer auf offener Landstraße an und schaltet die Lichter aus: Hier kam es in letzter Zeit häufig zu Überfällen. Das dauernde “Ay no, tengo miedo!” (“Oh nein, ich hab Angst!”) der Frau direkt hinter uns trägt wenig zur Entspannung bei. Dann stellt sich heraus, dass wir am Ende eines ganzen Konvois aus LKWs und Bussen sind, der sich hier nachts zusammentut, um gegen die Räuber besser geschützt zu sein. Wie Büffel ihre Jungtiere in die Mitte nehmen fährt auch unser Bus in die Mitte der Schlange. Wir schlafen bis es hell wird, dann geht’s weiter.

In Tarapoto warten wir wieder eine Stunde, bis ein Kollektivauto voll ist, dann geht’s los durch eine herrlich schöne hügelige Dschungellandschaft, die Straße ist eine Piste aus braunroter Erde. Kleine Affen sitzen am Wegesrand, im Radio läuft “Moscú” von Dschinghis Khan. Auf halber Strecke müssen wir für drei Stunden Halt in einem Dorf machen, wegen Bauarbeiten wird die Straße erst wieder um 12 Uhr mittags für den Verkehr geöffnet. Im tropischen Städtchen Yurimaguas gehen wir aufs Schiff. Das fährt allerdings erst morgen los, macht nix, wir dürfen’s uns schon gemütlich machen. Ingrid ist überraschenderweise völlig cool und nimmt die Hängematte mit Stolz und Trotz in Kauf, als ein weiteres Übel auf dem Leidensweg nach Iquitos.

Per Boot Richtung Iquitos

Per Boot Richtung Iquitos

In Hängematten schlafen wir, während das Schiff den Amazonas hinunterfährt. Vom Licht angezogen, schlagen Escaravajos (sehr große, schwarze Käfer mit krallenartigen Füßen) auf dem Deck oder auch auf meinem Kopf auf und bleiben benommen liegen. Kann man wunderbar Fußball mit spielen. Plopp, von Bord gekickt. Das geht mit den Moskitos leider nicht so einfach.

Amazonas

Amazonas

Manchmal hält das Schiff an irgendeinem Kaff an und lädt Sachen aus und ein. Alle Einwohner kommen und schauen zu, ist ja schließlich sonst nix los. Okay, gestern ist Pablito auf einer Kakerlake ausgerutscht, das war witzig. Aber das hier ist eine tolle Abwechslung am späten Abend, so wie bei uns der Tatort. Tagsüber lesen wir und beobachten, wie üppige Vegetation, Bambushütten, Treibholz, Delfine und Vögel an uns vorbeiziehen.

Ein- und Ausladen am Amazonas

Ein- und Ausladen am Amazonas

Abendstimmung auf dem Amazonas

Abendstimmung auf dem Amazonas

Nach drei Nächten in der Hängematte kommen wir in Iquitos an, einer lebendigen Dschungelstadt, die während des Gummibooms ihre glanzvollsten Tage erlebt hat. Dort bleiben wir ein paar Tage bei Freunden meiner Gefährtin. Es ist heiß, auch nachts.

Glanz vergangener Tage in Iquitos

Glanz vergangener Tage in Iquitos

Im Dschungel um Iquitos

Im Dschungel um Iquitos

Ara

Ara

Verpilzter Baum

Verpilzter Baum

Mit dem Flieger geht’s vormittags zurück nach Lima. Am Nachmittag gehe ich mit Schwester und Freund in die nahen Berge zum Zelten und Wandern. Wir machen ein Feuer, trinken Rum und schlafen mit Socken, langer Hose und dickem Pulli im Schlafsack. Trotzdem ist es bitterkalt. Am nächsten Tag marschieren wir zu einem Wasserfall hoch und in einen kleinen Ort. Es ist Sonntag vormittag und nun wiederum schon richtig heiß. Die Einwohner gehen entweder in die Kirche oder stehen mit Bierflaschen herum und singen. Erst denk ich, das ist ja wie in Bayern, dann aber sehen wir: Das Dorf feiert ein Fest. Na gut.

Ueber die Anden

Ueber die Anden

Obrajillo in den Bergen bei Lima

Obrajillo in den Bergen bei Lima

Bayerisch San Miguel

Bayerisch San Miguel

Dann fahre ich in die Anden nach Huaraz, das liegt auf 3.100 m. Auch hier ist es tagsüber richtig warm. Schnee gibt’s “erst” ab ca. 5.000 m.

Plaza de Armas in Huaraz

Plaza de Armas in Huaraz

Markt in den Hochanden

Markt in den Hochanden

Zu Fuße des Huascarán (mit über 6.700 m der höchste Berg Perus) liegt der wunderschöne Llanganuco-See mit türkisfarbenem Wasser. Die Einsamkeit der Berge ist schön, aber für die Berge selbst auf Dauer wahrscheinlich frustrierend. Mit Lawinen und Gletschereisbrocken suchen sie die Aufmerksamkeit der Menschen, die die mächtigen Einsiedler nicht zum Feind, aber auch nicht zum Freund haben wollen.

Lagunas de Llanganuco

Lagunas de Llanganuco

Huascaran

Huascaran

Friedhof zu Fuße des Huascaran

Friedhof zu Fuße des Huascaran

Im gleichen Verhältnis wie der Berg zum Menschen stehe ich zu dem Lama, das vor mir steht und das ich zum Freund haben möchte. Es schaut mich skeptisch an, dabei will ich eigentlich nur ein Foto mit ihm machen. Es wackelt mit dem Kopf. Wenn am Busbahnhof ein Unsympath vor mir steht und mit unbewegter Miene mit dem Kopf wackelt, bedeutet das normalerweise Ärger. Instinktiv recke ich meinen Kopf und stoße ihn drohend nach vorne (“Was willst du?”). Das Lama tut dasselbe. Ich sehe schon, wie ihm der Speichel ihm Munde zusammenläuft. Hm. Was mache ich, wenn es spuckt? Ducken? Mir ein Taschentuch borgen? Aufs Maul? “Gracias”, sage ich zu dem Peruaner, der das Foto von mir und dem Lama gemacht hat, und gehe. Verdutzt schaut mir das Lama hinterher. Funktioniert auf dem Busbahnhof leider nicht.

Lama sucht Streit

Lama sucht Streit

Steinkopf in Chavin de Huantar

Steinkopf in Chavin de Huantar

“Woher in Deutschland kommst du?” “Bayern München!” Kennen alle. Pizarro und Guerrero spielten hier, zwei peruanische Stürmer. Über Fußball kann man sich (abgesehen von den USA und Kanada) auf der ganzen Welt unterhalten. Wahrscheinlich der einzig wahrhaft völkerverbindende Sport.

Straßenumbau in Chavin

Straßenumbau in Chavin

Herrliche Seenlandschaft in den Anden

Herrliche Seenlandschaft in den Anden

Die Rückkehr des Königs

Letzter Abend in Lima, wir quatschen bis 4 Uhr früh. Am nächsten Tag geht’s zum Aeropuerto. Nach dem Abendessen im Flugzeug trink ich ein Bier. Chrrrrrrr. Als ich aufwache, gibt’s Frühstück. So kann’s grad weitergehen.

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