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Eingeschlossen!

Mit Klammern schließt man Zusätze oder Nachträge ein. Ungeniert und emotionslos stellt der Duden eine Regel auf, die gerade in deutschen Köpfen unsägliche Erinnerungen weckt: Die Stube ist kalt, der Volksempfänger knistert Durchhalteparolen in die winterliche Heimat. Es wird nicht aufgegeben, sondern bis zur letzten Patrone gekämpft. Januar 1943: Die tapferen Soldaten der 6. Armee sind in Stalingrad eingeschlossen.

20 Jahre später sind wieder Deutsche eingeschlossen, diesmal nicht in einem Kessel im widerborstigen Russland, sondern in einer Grube in Lengede. Das Fernsehen berichtet vom Ort des Geschehens, auf Wohnzimmersofas und in Ohrensesseln wird um das Leben der Kumpels gebangt.

Dann die 80er! Wir sitzen im Kino oder doch schon wieder vor der Glotze und mampfen Chips, während Jürgen Prochnow, Martin Semmelrogge, Uwe Ochsenknecht, Ralf Richter und Herbert Grönemeyer im U-Boot sitzen, von Wasserbomben hin- und hergeschleudert, irgendwo im Atlantik, eingeschlossen in einer Unterwasserkonserve.

Eingeschlossen! Eine deutsche Angst, die wir in unserer zentralen Lage auf dem Kontinent immer wieder spürten, vom Trauma Kaiser Wilhelms II. von der Einkreisung Deutschlands durch Frankreich und Russland bis zu Adolf Hitlers Angst vor der zweiten Front.

Und da kommt dieser Duden, unser deutscher Duden, dahergesemmelt und sagt einfach so was. Als ob wir keine Gefühle hätten. Außerdem wird man von Stein oder Wasser eingeschlossen, oder von Russen. Nicht von Klammern.

Ob nun, wie der Duden sagt, Zusätze oder Nachträge eingeschlossen werden, probiere ich gleich aus. Nach einem Gespräch mit dem Chef drehe ich zwischen Tür und Angel noch mal um: “Übrigens, ich brauche ab nächsten Monat das doppelte Gehalt!” sage ich ihm. Der antwortet ungerührt, die Augen schon wieder über seinen Unterlagen: “Ausgeschlossen!” Na toll, Duden.

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