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Das Ende

Alles vergeht. So sehr man sich auch abmüht, kämpft, plant, verhandelt, untergräbt, konspiriert, nachgibt, vertraut, zweifelt, lernt, hofft, bangt, spart, jubiliert, trauert, Zähne putzt. Eines Tages ist es einfach vorbei. Vorbei und kommt nicht wieder. Man kann es hinauszögern, unterbrechen oder fotografieren – es nützt nichts. Nur die Erinnerung bleibt. Und auch die verblasst irgendwann. Doch was kommt dann?

Wie können wir uns das Ende vorstellen? So wie alles angefangen hat? Folgt auf den Urknall, nach einer kurzen Phase der Zivilisation, der Endknall? Folgt auf die Evolution eine “Devolution”, in der sich der Mensch zum Affen zurückentwickelt, zum Fisch, zur Qualle, zur Amöbe? Beschließt Gott, die dauernd Unfug treibenden Menschen sicherheitshalber doch zurück ins Paradies zu schicken? Welche Möglichkeiten gibt es noch für ein Ende? Im Theater schließt sich der Vorhang, beim Fußball wird abgepfiffen, im Gerichtssaal saust der Hammer und nachts die letzte U-Bahn ist einfach weg.

Nur eine Wahrheit bleibt bestehen: Nichts ist unendlich. Vor allem kein Satz. Denn auch für Sätze ist irgendwann die Zeit gekommen, in der sie sich verabschieden und ihren jungen, ungelesenen Nachfolgern Platz machen müssen. Dies geschieht immerhin in einer absolut egalitären Art und Weise. Dem Satz wird, ungeachtet dessen Wichtigkeit oder Länge, mit dem Punkt ein Ende bereitet. Fast wie in der Französischen Revolution – da stand am Ende auch für alle das Fallbeil bereit, egal ob das nun Könige, Kardinäle oder Glöckner waren.

Naja, ganz perfekt ist die Welt dann aber auch in der Orthografie nicht. Es gibt tatsächlich Sätze, die nicht mit einem Punkt beendet werden (mal abgesehen von Ausrufe- und Fragesätzen). Dies geschieht bei frei stehenden Zeilen wie Überschriften und Titeln sowie bei Grußformeln und Unterschriften etwa in Briefen. Dass diese Sätze ohne Ende deswegen Sätze für die Ewigkeit sind, lässt sich so pauschal nicht vertreten, wenn darunter sowohl “Der alte Mann und das Meer” als auch “Zickenalarm: Bei Victoria Beckham dreht die Filmcrew durch” zu verstehen sind. Egal! Endet ein Satz übrigens mit einer Abkürzung, einer Ordnungszahl oder Auslassungspunkten, wird hinter bereits bestehende kein weiterer Punkt gesetzt. Auch Sätze wollen keine zwei Tode sterben.

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