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Ausgestoßen - das Leben des K.

Die grausamsten Schicksale bleiben uns meist verborgen. Umso erschrockener reagieren wir, wenn uns die Nachricht einer neuerlichen Leidensgeschichte aus einem Umfeld erreicht, in dem alles so wohl geordnet und geregelt scheint, aus einer heilen kleinen Welt voller Liebe und Zuneigung. Erschütterndes erfahren wir aus genau so einer Welt. Von den meisten Menschen unverstanden und von Beginn an abgelehnt, fristen im Grunde hilfsbereite Wesen ihr Dasein zwischen ständig erfahrener öffentlicher Gleichgültigkeit und offener Feindschaft. Übergangen, beschimpft, ignoriert, gehasst, verachtet – ist es nicht allzu verständlich, dass unsere Ablehnung zu gänzlicher Verschlossenheit führt? Nur wenige von uns finden je Zugang zu diesem sensiblen, schüchternen Wesenchen. Jeder weiß, wie es heißt, doch – he, da waren ja schon wieder zwei – schon beim Plural werden wir unsicher: Kommas, Kommata, Komman?

Ein Außenseiter auch unter seinesgleichen, versteckt sich das Komma meist hinter Buchstaben und Zahlen. Doch in der harten Welt der geschriebenen Sprache ist die totale Überwachung, sozusagen das gläserne Zeichen, bereits Realität. Es wird ausnahmslos nebeneinander geschrieben, jedes Symbol ist jederzeit identifizierbar. Kein Entrinnen im Duden-Staat: Der lange Arm der Orthografie erteilt missliebigen Zeichen Platzverbot und lässt unangekündigte Versammlungen räumen. Sieben Kommas in einem Satz, wo kommen wir denn da hin? Zusammenrottungen werden aufgelöst, das Vermummungsverbot wird strikt durchgesetzt. Schön brav nebeneinander aufstellen, keiner tanzt hier aus der Reihe.

Doch das Komma soll, gleich einem Geniestreich, in erster Linie Sinn stiften. Berühmtes Beispiel: Das Orakel von Delphi wurde einst befragt, ob der Euro oder die D-Mark die härtere Währung sein werde. Die Antwort: “Der Euro nicht die D-Mark.” Wo das Komma steht, verriet das Orakel nicht. Im Unverständnis werden Kommas jedoch oft zu selten im, Überfluss, oder, gar nach Gefühl gesetzt, (hach).

Diese zarten Geschöpfe dienen einem hehren Ziel: unserer Verständigung. Selbstlos stellen sie sich ganz in den Dienst der Kommunikation und opfern ihre eigenen Träume (einmal in der Bild-Zeitung auftreten: Wir sind Papst, Baby!).

Wir sollten das Komma verstehen und schätzen lernen, es würdigen und in den Kreis unserer vertrauten Zeichen aufnehmen. Nur so wird es sich uns in seiner ganzen Vielfalt öffnen und ein treuer Freund und Helfer werden. Es ist also Zeit, ein Zeichen zu setzen – für unser Komma!

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